2020-06-01    
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Alapítva: 1995. január

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1912-08-07 • Rudolf Lavotta (L.R.)
Rag-Time

Die Pflege der amerikanischen Volkmusik liegt grösstenteils in den Händen der Neger. Die Negermusiker musizieren in Amerika so wie bei uns die Zigeuner. Sie tragen ihre exotische Musik überall mit hin, die modernen Lieder gestalten sie nach ihren Ermessen und mischen sie mit kuriosklingenden Rhythmen. Der Ragtime ist übrigens eine typische Negererfindung.. Er ist keine Komposition, sondern nur eine Rhythmenformel, die der Vortragende eigenmächtig formiert, ganz wie er Lust hat. Die originellen Negerlieder, die vor einigen Jahrhunderten auf den Lippen der von Afrika gebrachten Sklaven erklangen, haben sich natürlich heute ganz verloren, höchstens blieben einige Motive oder Liederfragmente für die Nachwelt erhalten. Aber auch sie formten sich im Laufe der Zivilisation wesentlich um.

Vom Ursprung des Ragtimes leben vielerlei Auffassungen im allgemeinen Bewusstsein. Angeblich sei er aus der Spielweise der ungarische Zigeuner enstanden, weil auch der Czardas eine ähnliche Rhythmik aufweist. Aber man kann mit genau solchem Recht auch den Tanzrhythmus des spanischen Sarabandes oder der kubanischen Habaneras mit dem Ragtime in Verbindung bringen. Er zeigt eine grosse Ähnlichkeit auch mit der Verzierungen der schottischen Volkslieder, die man "scotch-snap" mennt. Er ist kein anderer, als ein synkopierter Rhythmus, den man auch auf jeden europäischen Lieder anwenden kann, wie auch in diesem Beispiel:

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Rag-time:

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Die negerischen Volkslieder ("raggers") sind das Privileg der minderwertigen Schaubuden, Varietétheater, Kneipen und Strassensänger und es ist fast unverständlich, wie diese Lieder in die höhere Gesellschaftskreise gelangen konnten. Die modernen Tänzer trieben beinahe einen Kult der Negertänzen und vor ein-zwei Jahren war eine richtige Epidemie in den Ballsälen mit dem auf Ragtime getanzten "clog dance" und "jig".

Den Original-Ragtime begleiten die Neger auf langhalsigen, fünfsaitigen Mandolinen (Banjos), deres Rumpf mit Kalbleder eingezogen und mit Schellen ausgerüstet ist. Auf diesen lärmigen und geschmackwidrigen Instrumenten zupft man die Rhythmen, die manche Spieler künstlerisch variiren. Manchmal kommen die unterschiedlichsten Rhythmen aus den Fingern der Spieler und dazu entwickelt der Tänzer die raffiniertesten Tanzfiguren mit erstaunlichem Rhythmussinn. Die Musik gestaltet sich aus unbedeutenden Melodiephrasen und sie besteht hauptsächlich aus der Deformierung der zivilisierten Melodien. Einige amerikanische Negermelodien, die wir hier aufzeigen, benutzen den Ragtime nur gelegentlich. Siehe hierzu einige Beispiele:

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(Diese Melodie verleicht mit einem schottischen Volkslied, das man auf dem Instrument "hom-pipe" gespielt wird. Auch einen Tanz dieses Namens es gibt.)

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Auch ein moderner Einfluss ist an diesen Lieder zu finden, aber der Verfasser dieser Lieder war war ein Farbiger. Sein Name ist unbekannt. (Dem Autor dieser Zeilen sang sie ein negerischer Bildhauer von Martinique in Paris.)

Wie die amerikanischen, so sind auch die afrikanischen Neger ausserordentlich musikalisch und ihr Rhythmussinn ist stark entwickelt. Es ist ein interessantes psychologisches Symptom, dass sie für die gewichtlosen (synkopierten) Taktglieder viel empfanglicher sind, als für die Akzente. Während seiner Fahrt nahm Burchell+ sehr eigentümliche Tonkombinationen bei Buschmännernwahr. Auch die Kaffers verraten eine grosse Musikerneigung. Wallaschek+ + zitiert in seinem Buch die Anmerkung eines Reisenden, der von einer mehreren hunderten Leuten bestehenden Masse ein Soldatenlied hörte das tönte so, als hätte es ein Mann gesungen.

Der Ragtime erhielt in den neueren Zeiten in der amerikanischen Musik ein gewisses Übergewicht, das der "American Federation of Musicians" - auch aus scharfem Rassenhass den Musikern den Krieg erklärte, die in solchem Stil komponieren. Nichtsdestoweniger konnte er der Welt einreden, dass alle Musik die Negermusik ist, nicht zugleich amerikanische Musik ist.

Von Ungarisch ins Deutsche übersetzte:
Géza Gábor Simon, Budapest, 1977

Zeneközlöny, Budapest, X. Jahrgang, Nr. 23, 7. August 1912. p.736-738