2020-09-27    
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06-30/736-3358

Alapítva: 1995. január

2011 mérleg és közhasznúsági jelentés:
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1988-01-01 • Wolfgang Hirschenberger
Ragtime unter dem Doppeladler 1901-1928

Die vorliegende LP präsentiert eine interessante Auswahl historischer Ragtime- bzw. "Pre-Jazz"-Aufnahmen aus Österreich, genauer aus Wien. Hinsichtlich Wiens damaligen Status als Walzer- und Operettenmetropole mag das vielleicht überraschen. Tatsächlich kam es hierzulande schon lange vor der Jahrhundertwende zu ersten Kontakten mit afro-amerikanischen Ausdrucksformen: In den zeitgen. Programmen vieler Wiener (vereinzelt auch provinzstädtischer) Unterhaltungsetablissements findet sich eine Unzahl amerikanischer, zum Teil auch namhafter farbiger Künstker ("Excentrics"), wie etwa Josephine Morcanashi, Mason & Dixon, Arabella Fields, Johnson & Dean. The Four Black Diamonds u.v.a. im berühmtesten Wiener Varietétheater, dem Ronacher boten z.B. schon im März 1903 "The 7 Florida Creole Girls" Cake-Walk-Tanzvorstellungen als Attraktion dar. Ein mehr oder weniger grosser Teil der Varietébesucher mochte die Musik reizvoll finden; im Vordergrund stand sicher die Befriedigung der Schaulust, der damals modischen Gier nach Fremdländischem, Exotischem,. Keiner dieser Künstler gelangte je in einer Wiener Schallplattenstudio.

Eine Adaptation des neuen musikal. Stoffes durch heimische Komponisten/Interpreten erfolgte aber bald, wenn auch anfangs auf eine zaghafte, meist verharnlosende, ja persiflierende Art und Weise. Schliesslich kam es aber gerade dadurch zu einer gewissen Amerikanisierung der damaligen populären Musik. In einzelnen Fällen fungierten dann gerade Operetten bzw. operettenhafte Revuen gleichsam als Mittler zwischen konservativen und "progressiven" unterhaltungsmusikalischen Strömungen: So z.B. komponiert Ernst Reiterer 1903 einen "Cake Walk" als Einlage zur Operette "Frühlingsluft" (nach Motiven von Josef Strauss). Der recht rtemperamentvolle Cake Walk des österreichhischen Komponisten Josef Klein (1870-1933) dürfte allerdings aus einer Ballett-Suite stammen.

Am 29. Oktober 1900 wird Danzer’s Orpheum mit der Ausstattungsoperette "Venus auf Erden" wiedereröffnet, in der sich bereits ein leicht synkopierter US-Schlager namens "Susi" findet, dessen deutscher Text sich allerdings noch auf’s Polkatanzen bezieht. Zu solchen (das ursprüngliche Material oft stark verwässernd) Zugeständnissen an ein geschmacklich zunächst wenig flexibles, oft bürgerlich-konservatives Publikum waren, fallweise sogar gastierende Künstler bereit: Beispielweise aus "There’s A Girl In Havana" wurde "Ich war verliebt in die Anna", in Wien 1912 populär gemacht durch Ethel Levey, eine "Tanz- und Gesangssoubrette aus Amerika". "Zamona" dokumentiert dazu auch textlich das damalige Klischee vom "Exotischen", "Unkultivierten", mit dem man ja die neue Musik zunächst gerne identifizierte.

Für den auf dem Etikett der Originalplatte ausdrücklich als Operettentenor angeführten Eric Ferdinand Stein hingegen ist "By Watermelone Vine" Grund genug, sich in der Imitation amerik./engl. Schlagersänger zu versuche, bemerkensmerterweise in englischer Sprache. Ein kühner Vermerk auf dem Label kündigt an: "Englische Aufnahme!".

Eine Bedeutung in der Popularisierung angloamerikanischen Musikgutes hatte wohl auch hierzulande die Blas- bzw. Militärmusik: von synkopierten Intermezzi wie "Meine Lilly" bis zu späteren Jazzstandards wie "Hiawatha" oder nicht zuletzt "Alexander Ragtime" reicht die Skala der US-Titel, die sich gut für Blasmusikarrangements eigneten und schliesslich vorbehaltlos Eingang ins Repertoire von K.K. Regimenskapellen fanden.

1910 stellt Dr. Pillip Silber speziell für die in Wien stattfindende "Erste internationale Jagdausstellung" ein Orchester zusammen, das im selben Jahr sogar "Eine verrückte Negerhochzeit" auf Premier Record festhält.

Schliesslich gingen selbst folkloristische Ensemble mit der Mode, wie eine anonyme Zigeunerkapelle mit ihrer verhaltenen Aufnahme des Clutsam’schen "Negerwiegenliedes" (Mein Baby) beweist.

Der Geschmack dees damaligen Wiener Publikums speigelt sich jedoch sicher am deutlichsten im Repertoire der zeitgen. Salonkapellen wieder. Neben unzähligen Aufnahmen volkstümlicher Musik hinterliessen diese Ensembles relativ wenige, aber reizvolle Ragtime- bzw. Semi-Ragtime-Schallplatten. Zu den beliebtesten dieser Orchester gehörten das der Brüder Geiger (The Robert, My Yankee Doodle Boy, Smiles), die Kapelle Robert Hügel (Cake Walk, The Gertrude Hoffman Glide, When The Midnight Choo Choo…) und Alfred Himmel, hier mit einem heute völlig vergessenen, aber interessanten Robert Stolz-Kompozition: Bobby Jazz. Abgesehen von manchen kompositorischen Besonderheiten ist diese bereits nach dem ersten Weltkrieg entstandene Aufnahme insofern von besonderer Bedeutung als hier der Begriff "Jazz" erstmals auf einer österreichischen Schallplatten aufscheint. Aber – im Vergleich zu anderen europäischen Ländern! – stellte sich das "Golden Jazz Age" im Österreich der 20er Jahre nicht gar so ohrenbetäubend ein. Die Vorgeschichte verspricht in diesem Fall vielleicht mehr als die Geschichte halten kann, zumindest was rein österreichische Bands der Zwischenkriegszeit anbelangt (in unserem Land war zu dieser Zeit eine Reihe sehr jazzmässiger Bands aus dem Ausland zu hören).

Trotzdem müssen die hier vorgestellten Tondokumente als erste Wegbereiter einer spezifisch österreichischen Ausprägung moderner, oftmals durchaus jazziger Tanzmusik angesehen werden. Ja, man kann ohne weiteres vom Beginn einer Tradition sprechen, die später in das hiesige Jazzhgeschehen mündete und seine Grundlage bildete.

Eine vergelichsweise späte Aufnahme wie Black And White, hier in einer sehr ausgefallenen, wienerischen Instrumentierung, hat unter diesem Gesichtspunkt vielleicht nur noch den Stellenwert einer musikalischen Kuriosität, sicher aber den einer hervorragend gelungenen.

 

Text von LP Ragtime unter dem Doppeladler 1901-1928, RST 90284251, 1988